Lenas Datsche, in der Niso, Aleksander und ich einige Tage am Baikal verbringen, ist aus dicken quadratischen Balken mit unbehandelter Oberfläche gezimmert und duftet beim Betreten angenehm nach Holz. Das vor wenigen Jahren fertiggestellte Gebäude hat zwei geräumige Etagen, Strom, fließendes Wasser und einen unverputzten Ziegelofen. Auf dem Grundstück steht eine solides Banjahäuschen, geschmackvoll im Stile der Datscha gebaut, es gibt Platz für ein Auto, daneben ein großer Haufen Brennholz. Der kleine Garten mit den vier Beeten ist mehr Zierde als Selbstversorgung mit Lebensmitteln – im Unterschied zu den einfachen Datschen sowjetischen Typs ist diese hier eher ein Landsitz, wie ihn sich wohlhabende Städter leisten können.
In einem Staat wie Russland mit deutlich größerem Einkommensgefälle als in Deutschland muss Luxus gesichert werden. Ein zweieinhalb Meter hoher Metallzaun schützt vor Eindringlingen und Blicken, am Tor ist ein Schild mit Namen und Telefonnummer der Wachgesellschaft angebracht, deren Männer im Falle eines Auslösens der Alarmanlage in drei Minuten vor Ort sind.
Der Weg zum Baikalsee führt am Waldrand vorbei und an den heißen Quellen, gorjatschye istotschniki, nach denen die Siedlung Gorjatschinsk benannt wurde und denen er seine Popularität vor allem unter russischen Touristen verdankt. Als wir am Strand ankommen, treffen wir dort auf hunderte andere Urlauber – es kann am schönen Wetter liegen oder daran, dass der innerrussische Tourismus seit den neuerlichen westlichen Sanktionen und den damit verbundenen Einschränkungen des Reiseverkehrs zugenommen hat. Imbissbuden und Zelte stehen zwischen den Sanddünen herum, Autos sind kreuz und quer auf dem Strand abgestellt. Ich springe kurz in das kühle Wasser, während Aleksander seine erste Begegnung mit dem Baikalsee im Kinderwagen einfach verschläft.
Seit unserem Umzug nach Deutschland träumt Niso von einem Besuch der Banja, der russischen Sauna. Am Abend nun soll der Traum in Erfüllung gehen. Sie heizt den Holzofen und füllt den darüberliegenden Wasserbehälter auf, der sich in der nächsten Stunde fast bis zum Kochen erhitzt. Mit einem selbstgepflückten Besen aus Birkenzweigen, einem Wjenik, möchte sie für eine Stunde in die Welt von Hitze und Dampf abtauchen, während ich auf den kleinen Sohn aufpasse. Doch Aleksander schreit möchte zur Mama und lässt sich durch nichts ablenken oder beruhigen. Der Banjabesuch ist für meine Frau leider schon nach zwanzig Minuten zuende.
Auf der Rückfahrt nach Ulan-Ude ein paar Tage später machen wir in dem kleinen Dorf Baturino Halt, wo sich ein Frauenkloster befindet, eines von drei russisch-orthodoxen Klöstern Burjatiens. An einem eisig kalten Winterabend hatten Niso und ich einmal hier um Übernachtung gebeten und diese auch bekommen, getrennt natürlich, ich bei den männlichen Arbeitern, Niso in einem Gästehaus für Frauen. Der neue Klostershop am Eingangstor scheint gut zu laufen, es gibt eine Fülle an Literatur zu Glaubensthemen, Ikonen in allen Größen und sonstige Souvenirs. Niso lässt sich bei der Nonne hinter dem Tresen einen kleinen Zettel geben und schreibt auf ihn den Namen unseres Sohnes, damit ihn der Priester beim nächsten Gottesdienst in sein Gebet für die Gesundheit einschließt. Die Dienstleistung kostet zwanzig Rubel.
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| Eine Datsche neuen Typs - hier steht nicht mehr die Selbstversorgung im Mittelpunkt, sondern die Erholung vom Stadtleben. |
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| Aleksander verschläft seine erste Begegnung mit dem Baikalsee |



