Literatur zum Thema Russland

 

Rüdiger von Fritsch: Russlands Weg. Als Botschafter in Moskau (2020)

Der Autor war von 2014 bis 2019 deutscher Botschafter in Moskau und schreibt über seine Arbeit als Diplomat, seine Begegnungen mit russischen Politikern wie Putin und Lawrow und über die Ereignisse, die in dieser Zeit vorgefallen sind und das deutsch-russische Verhältnis belastet haben. Eine außergewöhnlich spannende Lektüre, bei der sich der weit denkende und empfindende Verfasser hinter den Zeilen erahnen lässt. Gut lesbar macht das Buch die Verbindung aus großer Weltpolitik und konkretem menschlichen Wahrnehmen. Fritsch ist nach seiner Zeit in Moskau in den Ruhestand gegangen und kann vielleicht deshalb erstaunlich offen über viele Dinge erzählen.

 

Alexander Rahr: Anmaßung. Wie Deutschland sein Ansehen bei den Russen verspielt (2021)

Der Osteuropa-Historiker lässt Russen aus Russland und Deutschland mit ihren Meinungen über Deutschland und die Deutschen zu Wort kommen. Die Protagonisten werden jedoch nicht richtig porträtiert, dem Leser entsteht kein Bild der Persönlichkeiten, die sich da äußern, bei den Ausführungen bleibt an vielen Stellen unklar, ob es die Ansichten von Alexander Rahr oder die der Russen sind, nach denen die Kapitel benannt wurden. Die geäußerten Meinungen und Argumente sind mitunter wenig tiefgründig. Ein etwas seltsames Buch.

 

Hubert Seipel: Putins Macht. Warum Europa Russland braucht (2021)

Der Autor, „der als einziger westlicher Journalist einen direkten Zugang zu Putin hat“, beschreibt in routiniertem politischem Analyse-Stil Ereignisse der letzten Jahre, die er aus einer der russischen offiziellen Politik wohlgesonnenen Position heraus kommentiert und wertet. Gelegentlich scheint durch, dass dem Treffen und Gespräche mit Putin zugrunde liegen, wobei aber kein persönliches Bild der Person des russischen Präsidenten entsteht – Seipel bleibt stets im Abstrakt-Politischen. Interessant die Ansichten zum Fall Nawalny, zum Hitler-Stalin-Pakt, zur Rolle Polens vor dem 2. Weltkrieg, die den verbreiteten Darstellungen widersprechen.

 

Rüdiger von Fritsch: Zeitenwende. Putins Krieg und die Folgen (2022)

Der ehemalige deutsche Botschafter in Moskau erläutert in seinem knapp zwei Monate nach dem russischen Überfall fertiggestellten Buch die Hintergründe der Ukraine-Krise aus westlicher Sicht, auf eine gut lesbare Weise, in die seine persönlichen Begegnungen mit interessanten und einflussreichen Menschen einfließen.

 

Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer (2017)

Der Autor, Professor für Osteuropageschichte an der Universität Wien, zeichnet die Geschichte des russischen und die des ukrainischen Staates nach und macht das jeweilige historische Selbstverständnis der beiden Seiten deutlich. Ein Buch, dessen Hintergrundinformationen viel zum Verstehen des aktuellen Konfliktes beitragen kann.

 

 

 


 

Kapitel I

  Wer im Jahre 2022 eine Reise nach Russland unternimmt, muss bereit sein, drei neuartige Hürden zu überwinden. Zum einen müssen nicht-rus...